Tel. +34 971 707 295

Der Almudaina-Palast in Palma - Die arabische Vergangenheit von Mallorca

Palma de Mallorca hat jede Menge Sehenswürdigkeiten zu bieten: Jugendstil-Gebäude, Innenhöfe, Kirchen, Klöster, eine Burg und natürlich die Kathedrale "La Seu". Nun ist letztere sicher kein Geheimtipp, der Almudaina-Palast, oder auch Königspalast, genau gegenüber der Kathedrale aber schon.

Bereits von weitem fällt das maurische Gebäude auf, das sich stattlich thronend neben dem Wahrzeichen von Palma de Mallorca befindet. Der Almudaina-Palast zählt zu den Top-Sehenswürdigkeiten der Stadt, doch nur wenige wissen die Geschichte dieses einzigartigen Gebäudes, das wie kein anderes die muslimische Herrscherzeit der Insel repräsentiert. Ein Ausflug lohnt sich - Wir sagen warum.

Der Palacio de Almudaina (Almudaina heisst Zitadelle ausserhalb der Stadtmauer) ist eine ehemalige Festung arabischen Ursprungs. Er geht auf die Zeit zurück, als Mallorca von maurischen Herrschern aus Nordafrika besetzt wurde. Die Mauren beherrschten die Insel von 902 bis 1229 und wählten sie als strategisch wichtigen Flottenstützpunkt. Mallorca war ein eigenes Emirat, das von Sklavenhandel und Piraterie lebte.

Doch die Besetzung der Insel hatte auch gute Seiten. So brachten die muslimischen Herrscher ihre Architektur (Spitzbögen und Innenhöfe), Landwirtschaft (Terrassenbau wie in Banyalbufar, Bewässerungsssysteme, Zitronenbäume), Gewürze (noch heute verwenden wir Safran und Rosinen in unseren Gerichten) und die typische Stadtplanung (kleine Gassen, Plätze, reich geschmückte Stadthäuser, Badeanstalten) in das besetze Gebiet und prägten so bis heute die Hauptstadt Palma de Mallorca.

Um standesgemäss zu residieren, liess der Emir einen Palast und eine Moschee bauen. Was heute die beliebten Sehenswürdigkeiten Königspalast und Kathedrale sind, waren zu maurischen Zeiten der Herrschersitz sowie die Hauptmoschee von Palma. Der Almudaina-Palast weist auch nach zahlreichen Umbauten noch einige ursprüngliche Elemente auf. So sind die Fenster der Hauptfassade zum Meer im typisch arabischen Spitzbogenstil, die Holzdecken mit arabischen Mustern bemalt und eine Palma steht zur Begrüssung von Fremden im Innenhof. Vieles erinnert bei einem Rundgang durch den Palast an arabische Häuser und es fällt nicht schwer, sich nach Marrakesch zu träumen. Neidisch wird man beim Ausblick des ehemaligen Emirs auf den Strand, das Meer, den Hafen bis hin zum Schloss Bellveder.

Heute ist der Almudaina-Palast in Mallorca Sitz der Militärkommandantur und zugleich Amtssitz des spanischen Königs. Seine Anwesenheit signalisiert die spanische Flagge auf dem Dach. Der spanische König nutzt Palast zu festlichen und politischen Anlässen, vor allem während seines Sommerurlaubs auf Mallorca.

Teile des Palacio de la Almudaina können individuell oder im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Besonders hervorzuheben sind die flämischen Gemälde und Wandteppiche aus dem 17. Jahrhundert, die Saint Anna Kapelle aus dem 14. Jahrhundert sowie die Terrasse und atemberaubender Aussicht.

Der Königspalast ist nicht irgendeine Sehenswürdigkeit in Palma, sondern spiegelt wie kein Gebäude unsere Geschichte und die Jahre der maurischen Herrschaft auf Mallorca wieder. Palma's romantische Altstadt mit ihren Gassen und Innenhöfe verdanken wir den Besetzern aus Nordafrika.

Der Königspalast in Palma hat an folgenden Tagen geöffnet:

  • 1. April bis 30. September: Dienstags bis sonntags von 10:00 bis 20:00 Uhr
  • 1. Oktober bis 31. März: Dienstags bis sonntags von 10:00 bis 18:00 Uhr Montags geschlossen
  • Der Eintrittspreis beträgt € 7,-.
  • UNSER INSIDERTIPP: mittwochs und donnerstags kann die Top-Sehenswürdigkeit in Palma von 15 bis 17 Uhr kostenfrei besichtigt werden.
 

Afrikanische Spuren auf Mallorca - Was Mauren mit auf die Insel brachten

Der African Spirit der größten Baleareninseln offenbart sich Reisenden nicht auf den ersten Blick. Es lohnt sich ein zweiter, denn die Geschichte Mallorcas ist ähnlich einem Spiegelbild der Geschichte Spaniens - und der wechselnden Herrschaftsverhältnisse im Mittelmeerraum. Es sind kleine Zufluchtsorte, prachtvolle Gärten, Fiestas und wohltuende Wellnessrituale, die uns die Mauren hinterlassen haben.

Von Königen und Eroberern

Nach Jahrhunderten der byzanthinischen Herrschaft auf Mallorca kam es zwischen 902 und 1229 zu einer prägenden Besetzung durch die muslimischen Mauren. Vielen Historikern gilt diese Epoche als Blütezeit für die Insel, denn die Afrikaner sorgten für Wohlstand und Fortschritt. Kulturelle Bereicherung und neue technische Entwicklungen waren ebenso Teil der 300 Jahre dauernden arabischen Herrschaft wie die politischen Auseinandersetzungen der arabischen Königshäuser. Dabei ging es um viel: Im 12. Jahrhundert lebten schon etwa 80.000 Menschen auf Mallorca.

Für die Mauren wurde die zwischen Nordafrika und Europa gelegene Baleareninsel zum strategisch wichtigen Flottenstützpunkt. Die Machtkämpfe blieben: Zunächst gehörte Mallorca zum Herrschaftsbereich des maurischen Königs von Cordoba. Im Jahre 1015 gewann der arabische König die Vorherrschaft und die Insel wurde Teil des Königreichs Denia im Süden Spaniens. Ein selbstständiges Königreich wurde Mallorca kurz darauf unter König Moxabir, der von 1093 bis 1114 herrschte. Zunächst war Alcudia (arabisch: Hügel), später dann Palma die Hauptstadt der Insel.

Nach der Rückeroberung 1229 durch König Jaume I. von Aragón verblieben einige tausend Mauren auf Mallorca, die weiterhin Handel mit Nordafrika betrieben, oder als Landwirte lebten. Ihre afrikanischen Einflüsse auf das Inselleben sind bis heute spürbar. Viele Städtenamen wie Binnissalem, Andratx, Algaida oder Fornalutx sind beispielsweise maurischen Ursprunges.

Maurische Baukunst auf der Sonneninsel

"Es ist besser, mit drei Sprüngen zum Ziel zu kommen, als sich mit einem das Bein zu brechen“ – so lautet ein altes afrikanisches Sprichwort. Dieses Gebot an Geduld und Sorgfalt findet sich auch in den maurischen Spuren auf Mallorca wieder: Einige beeindruckende Überreste afrikanischer Baukunst zeugen von Geschick und Lebensart.

Zu den bedeutendsten Bauobjekten zählen die arabischen Bäder im historischen Herzen der Inselhauptstadt Palma. Die Bäder bestanden ursprünglich aus einem weitläufigen Komplex, von dem heute noch der Raum für heiße Bäder sowie ein Aufenthaltsraum mit rechteckiger Grundfläche erhalten sind. Das Badehaus aus dem 10. Jahrhundert liegt in einem prachtvollen Garten und kann täglich besichtigt werden.

Ein weiterer Hotspot auf den Spuren der Mauren ist das Tor „porta de l’almudí“. Dieses historische Tor mussten Waren passieren, wenn Schiffe am Kai anlegten oder in See stachen. Der Name l’almudí leitet sich vom arabischen al-mudí, einer speziellen Maβeinheit zum Messen von Cerealien und Salz, ab. Das Tor befindet sich neben dem Flusslauf des Torrent de Sa Riera und gehört zu den wenigen Pforten Palmas, die sich noch an ihren ursprünglichen Standorten befinden.

Terrassenkulturen und Bewässerungskunst

Eine charakteristische Prägung der Mauren ist auch abseits der Hauptstadt in den Hügeln zu entdecken. Sie erschlossen sich hier weite Teile des Berglands für ihre Siedlungen. Die für die damalige Zeit hochentwickelte arabische Bewässerungskunst ermöglichte besondere Terrassenkulturen und damit auch den hervorragenden Anbau von Zitrusfrüchten. Diese Anbautechnik lässt sich noch heute beispielsweise in den Dörfern Banyalbufar und Estellencs im Westen der Insel bestaunen. Einer der damals errichteten Berghöfe, la Granja, ist heute ein Freilichtmuseum und bietet neben einer beachtlichen Sammlung die Verkostung von Weinen und Sherry an.

Besuchen Sie uns auf

Nicht nur besser. Anders.